Wir verwenden die Begriffe „den Glauben teilen“ und „das Evangelium teilen“, als könnte man sie austauschen, und doch sind es deutlich unterschiedliche und komplementäre Aktivitäten.
Werfen wir einen Blick darauf, was diese beiden Arten des „Teilens“ voneinander unterscheidet und warum die Unterscheidung mehr als nur ein Spiel mit der Semantik ist.
Deinen Glauben zu teilen ist eine persönliche Reflexion über dein eigenes Verständnis unddeine Erfahrung im Glauben an Jesus. Wenn du deinen Glauben mit anderen teilst, kannst du erklären, warum das Vertrauen in Jesus für dich Sinn macht, was Jesus in deinem Leben getan hat und welchen Unterschied es Tag für Tag macht (was wir gemeinhin als Zeugnis bezeichnen), welche Hoffnung du angesichts der Existenz Gottes und der Auferstehung Jesu hast und wie dein Verständnis und deine Erfahrung des Glaubens mit den Erfahrungen derjenigen in Verbindung stehen, mit denen du sprichst, oder auf deren Fragen du antwortest. Deinen Glauben zu teilen ist im besten Fall eine Einladung an jemanden, zu hören, zu sehen und zu erforschen, wie der Glaube an Jesus Christus in deinem Leben aussieht (und was das möglicherweise für sie bedeuten könnte).
Das Evangelium weitergeben bedeutet dagegen, die Geschichte der guten Nachrich über Jesus Christus zu erklären, die Grundsätze der Wahrheit darüber, wer Gott ist, was er in der Welt getan hat und was das für die Welt bedeutet. Es ist die Geschichte von Schöpfer und Schöpfung, von Beziehung und Rebellion, von Leben, Wirken, Tod, Auferstehung, Himmelfahrt und Wiederkehr Jesu. Sie ist eine Einladung zur Umkehr – zur Umkehr von unserer Rebellion zurück in die Beziehung zu Gott, indem wir ausschließlich auf Jesus als Herrn vertrauen und entsprechend in der Kraft seines Heiligen Geistes leben.
Erkennst du den Unterschied zwischen diesen beiden Dingen? Es ist möglich, seinen Glauben mitzuteilen, ohne das Evangelium zu teilen. Du kannst etwas über deinen persönlichen Glaubensweg erzählen, ohne dass das Evangelium eine Rolle spielt. Auch wenn manche Menschen das Fehlen des Evangeliums beklagen, ist es wichtig zu wissen, dass die Weitergabe des Glaubens oft ein positiver Schritt auf dem Weg einer Person zum Glauben an Jesus sein kann. Es ist auch wichtig festzustellen, dass das Teilen des Glaubens so vage sein kann, dass es die Menschen in Bezug auf die Quelle und die Wahrheit unserer Hoffnung in die Irre führt.
Die Weitergabe des Glaubens an sich ist technisch gesehen keine Evangelisation (Verkündigung der frohen Botschaft), da sie nicht die frohe Botschaft selbst verkündet, sondern nur die Auswirkungen der frohen Botschaft im Leben einer Person, was dennoch eine wichtige und kraftvolle Sache ist. Als ein erster Schritt, um die gute Nachricht klarer zu hören und zu verstehen, kann diese „Vor-Evangelisation“ auf dem Weg eines Menschen sehr wichtig sein (und Studien haben uns gezeigt, dass Menschen mit überwältigender Wahrscheinlichkeit zum persönlichen Glauben an Christus kommen, wenn sie einen Christen persönlich kennen, und das liegt sicher nicht daran, dass ihr christlicher Freund ihnen immer nur von den einfachen Lehren des Evangeliums erzählt!).
Umgekehrt kannst du das Evangelium weitergeben, ohne deinen Glauben zu teilen. Die Lehren der guten Nachricht sind und bleiben wahr, unabhängig von deinen persönlichen Glaubenserfahrungen. Die Kraft des Evangeliums liegt nicht in der Glaubwürdigkeit des Glaubensweges einer Person, sondern in seiner wesentlichen und unveränderlichen Wahrheit – der Wahrheit, die die Menschen frei machen wird (Johannes 8,32). Das Evangelium ist jedoch oft am überzeugendsten, wenn seine Auswirkungen im Leben desjenigen, der es verkündet, als eine Botschaft der Verwandlung bekannt gemacht wird (2. Korinther 5,17).
Ideal wäre es, wenn die Menschen Anknüpfungspunkte zwischen der unveränderlichen Wahrheit des Evangeliums und deinem heutigen Leben hätten, die dazu beitragen, der Welt durch das Zeugnis des Wortes Klarheit zu verschaffen. Aus diesem Grund wäre es klug, wenn wir unseren Glauben mit anderen teilen würden.
Aber das Wichtigste ist, dass die Menschen den Weg der Erlösung kennen: Frieden mit Gott, wahres Leben heute und in Ewigkeit, durch Buße und Glauben an Jesus Christus. Aus diesem Grund müssen wir das Evangelium weitergeben.
Wenn du jemanden siehst, der seinen Glauben teilt, egal welche Plattform und welchen Einfluss er oder sie hat, sei ermutigt. Die Weitergabe des Glaubens ist ein großartiges Sprungbrett, also gerate nicht in Panik, wenn der Inhalt des Evangeliums nicht ausreichend zu sein scheint. Danke für einen wichtigen Moment im Leben eines Menschen, in dem er mit dem Glauben in Berührung kommt, so dass das Evangelium, wenn es schließlich verkündet wird, im Leben des Zuhörers authentischer verstanden werden kann.
Bete, dass die Gelegenheit, das Evangelium weiterzugeben, zum richtigen Zeitpunkt mit Mut und Klarheit ergriffen wird. Ermutige, wo immer du kannst, denjenigen, der seinen Glauben geteilt hat, in Bezug auf die Rolle, die er spielt. Außerdem bekräftige gleichzeitig die Notwendigkeit, unsere Augen offen zu halten für die Gelegenheiten und bitte Gott, uns den Mut zu geben, den wir brauchen, um sie wahrzunehmen. Wir sollten uns selbst gegenüber ehrlich sein. Wenn wir uns damit begnügen, unseren Glauben zu teilen, um ein „Zeugnis“-Kästchen in unserem christlichen Leben anzukreuzen, aber nie jemandem das Evangelium tatsächlich mitteilen, dann sind wir nicht wirklich Zeugen des Evangeliums im wahrsten Sinne des Wortes. Wir vernachlässigen es wahrscheinlich, das anzubieten, was die Menschen am meisten brauchen – nicht unseren Glauben, sondern ihren eigenen in Jesus Christus durch die Kraft des Evangeliums, dessen wir uns nicht schämen (Römer 1,16).
Abschließend ist zu sagen, dass der Heilige Geist weitaus dynamischer ist als der hier skizzierte Prozess. Wir vertrauen darauf, dass er uns bei allem, was wir tun, leitet und uns die Weisheit gibt, bei jeder Gelegenheit richtig zu reagieren. Es ist die Wahrheit des Evangeliums, die Menschen durch die Kraft des Geistes befreit, und so beschließen wir, die gute Nachricht klar und deutlich aus dem Leben weiterzugeben, das Zeugnis von der Kraft und der Hoffnung des Evangeliums durch seine Wirkung in unserer fortlaufenden Geschichte gibt. Zeugnis für das ganze Leben – Weitergabe des Glaubens und des Evangeliums in Wort und Tat.
FRAGEN
- Welche Gelegenheiten hast du jeden Tag, um deinen Glauben zu teilen?
- Warum ist es wichtig, den Unterschied zwischen dem Teilen des Glaubens und dem Teilen des Evangeliums zu verstehen?
- Warum fällt es manchen Menschen leichter, ihren Glauben zu teilen als das Evangelium und umgekehrt?


